Veröffentlichungen
Cis Hilinciweg erscheint jährlich, im gleichen Layout, kostet 3,50 € und kann im Museum oder per Email erworben werden.
Vorhandene Ausgaben:
Cis Hilinciweg Nr. 8, 9, 10, 11, 12, 13
Heiligenhaus – Häuser der Gründerzeit
Kein Baustil hat unsere Stadt Heiligenhaus so stark beeinflusst wie der, der eigentlich gar kein Stil ist: Der Baustil der Gründerzeit.
Kein Stil ist so vielseitig, andererseits mit so vielen Schimpfworten bedacht worden wie dieser.
Wir haben versucht, uns in Text und vielen Bildern diesem schwierigen Thema zu nähern. Restexemplare zum Preis von € 10,00.
Heiligenhauser Bilderbogen
Essen vor Kohle und Stahl
um Programm der Kulturhauptstadt Ruhr 2o1o hat der Geschichtsverein Heiligenhaus eigene Beiträge erarbeitet, die die Geschichte des Ruhrgebietes „vor Kohle und Stahl“, also vor allem im Mittelalter, darstellen sollen. Die Studienfahrt vom letzten Wochenende, die bereits durch einen Fachvortrag des in Essen geborenen Lehrers und Kunsthistorikers Hermann Josef Bresser im Februar dieses Jahres vorbereitet worden war, brachte den fast 6o Freunden des Geschichtsvereins tiefe Einblicke in die Geschichte Essens, die selbst für Essen-Kenner ungeahnte waren. Dabei erwies sich die hervorragende Zusammenarbeit der beiden Leiter Bresser und Watty als ausgesprochen fruchtbar.
Watty konnte schon auf der Hinfahrt darauf verweisen, dass sich ein geschichtsträchtiges Kulturland immer durch einen reichen Sagenschatz ausweise und dass er über Essen allein 23 Sagen gefunden habe. Der Gründer des hochadeligen Damenstiftes Essen, Bischof Altfried, habe für die bis in das ottonische Kaiserhaus hineingeborenen Kanonikerdamen sicherlich keine „Kulturwüste“, sondern einen Platz ausgesucht, der durch seine Lage am Hellweg und durch eine schon vorhandene Ansiedlung der Bedeutung der Stiftung gerecht wurde. Und dass die sich gegenseitig befruchtende, wenn auch gelegentlich konkurrierende, Gestaltungskraft des reichsunmittelbaren Damenstiftes und der Stadt Essen Früchte trug, ließen die geschickt ausgesuchten Besichtigungspunkte im Essener Stadtgebiet, die Bresser dann näher erläuterte, erkennen.
Da war zunächst Rellinghausen, dessen Stiftsimmunität – direkt neben der verkehrs- und publikumsreichen Frankenstraße – eine mittelalterliche Atmosphäre vermittelte, die Bresser durch seine Erläuterungen zu dieser von dem Essener Damenstift abgeleiteten Stiftung noch vertiefte. Am Gerichtsturm, in dem in Hexenprozessen des späten Mittelsalters allein 43 der Hexerei überführten Männer und Frauen zum Tode verurteilt wurden, lief den Besuchern das Gruseln geradezu den Rücken herunter, als sie erfuhren, dass die beschuldigten Hexen zum Schuldnachweise gefesselt in die Ruhr geworfen wurden; gingen sie unter, war das der Beweis ihrer Unschuld, aber sie waren eben leider ertrunken; kamen sie wieder hoch, war das der Beweis, dass der Teufel in ihnen steckte und sie wurden zum Tode durch Rädern oder Verbrennen verurteilt.
Genauso überraschend, wie im Anblick von Ruhrzechen, insbesondere der Zeche Zollverein, eine mittelalterlich anmutende Oase erhalten bleiben konnte, war die nächste Station der Reise auf den Stoppenberg. Dass hier das bei dem römischen Geschichtsforscher erwähnte Germanenheiligtum Tafana gelegen hat, ist zwar wissenschaftlich nicht erwiesen, aber für das geschichtsbewanderte Team Bresser-Watty nicht von der Hand zu weisen. Allein die Tatsache, dass die Essener Stiftsdamen hier im 11. Jahrhundert eine heute noch erhaltene Stiftskirche bauen ließen, ist eine Indiz dafür, denn die Religionen haben oftmals die lokale Kontinuität gewahrt und sei es nur, um die frühere Götterverehrung als besiegt darzustellen.
Die Stille auf dem Stoppenberg, der den Blick auf Zeche Zollverein freigibt, ohne dessen Betriebsamkeit zu übernehmen, war für die Besucher beeindruckend.
Die dritte Station der Studienfahrt war der Wohnsitz der Fürstäbtissin von Essen in Borbeck. Hier beeindruckten in gleicher Weise der Renaissancebau des Schlosses und die etwa 4o Hektar große gepflegte Parkanlage mit den belebenden Gewässern des Borbaches.
Der Höhepunkt war natürlich das im Zentrum von Essen liegende Damenstift Essen, das seit etwa 85o besteht und dessen Stiftskirche trotz vielfacher Zerstörungen und Umgestaltungen eine Meisterleistung sakraler Kunst darstellt. Bresser verstand es, dies seinen Besuchern mit reichlichem Detailwissen zu vermitteln. Er konnte sogar auf den Glasmaler Wilhelm Buschulte verweisen, der die Glasfenster im Langschiff des Essener Domes wie auch die in der Heiligenhauser Suitbertuskirche gestaltet hat.
Als besonderes Bonbon erwies sich, dass Watty den Domorganisten engagieren konnte, die im Jahre 2oo4 neu erbaute Domorgel vorzuführen. Damit – so Watty – zeigt sich, dass die moderne Kultur Essens an die mittelalterliche Kultur unmittelbar anknüpft, Grund genug, die Kultur Essens „vor Kohle und Stahl“ zu erforschen.



